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23.11.2015

Gute Pflege sichern mit internationalen Projekten: Symposium zur deutsch-tschechischen Zusammenarbeit

Symposium der Pflegewerk Unternehmensgruppe zur deutsch-tschechischen Zusammenarbeit am 23. November 2015


Drei Jahre erfolgreiche Projektarbeit, über 50 erfolgreich absolvierte Praktika in der Pflege: Ende November trafen sich Vertreter von tschechischen Fachhochschulen und Universitäten mit den Pflegewerk Projektkoordinatoren zu einer Fachtagung, bei der die Optimierung der Rahmenbedingungen für Pflegepraktikanten und −fachkräfte besprochen und die Praktikumseinsätze dieses Jahres ausgewertet wurden.


Eindrücke der Konferenz finden Sie in unserer Galerie. Derzeit sind die tschechischen Pflegestudenten Jakub Čurda (22) und Adela Matousková (22) aus Třebíč zu Gast (s. Foto). Lesen Sie hier im folgenden Artikel mehr über die Studenten und das Projekt. 


 

Gute Pflege sichern mit internationaler Projektarbeit Pflegestudenten absolvieren Praktika beim Pflegewerk


Jakub und Adela studieren eigentlich in Tschechien. Für vier Wochen machen sie Pause für ein Fachpraktikum in Berlin. Denn in Deutschland sind internationale Pflegekräfte gefragter denn je.


Jakub und Adela sitzen am großen Küchentisch und bereiten Pastinaken und Möhren vor. Heute kochen sie für über hundert Personen beim Herbstfest im Pflegewerk Senioren Centrum in Moabit. Es gibt "Svickova", eine traditionelle tschechische Spezialität. Die beiden jungen Studenten der Gesundheits- und Krankenpflege absolvieren gerade ein Fachpraktikum in der Senioreneinrichtung. Sie studieren an der Fachober- und Mittelschule für Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Gesundheit in Třebíč, Tschechien. Bereits vor ihrer Anreise nach Berlin haben sie an ihrer FH einen Vorbereitungskurs für den Aufenthalt in Deutschland absolviert, ihre Sprachkenntnisse verbessert und mehr über Pflegedokumentation und das Gesundheitssystem in Deutschland gelernt.

Hier vor Ort kümmern sie sich täglich um jeweils vier Bewohner, reichen ihnen Essen, helfen beim Anziehen und verbringen Zeit mit ihnen. Bezugspflege heißt es in der Fachsprache. Die 22jährige Adela Matousková ist schon das zweite Mal zum Praktikum beim Pflegewerk. Sie möchte nach ihrem Studium in Deutschland als Altenpflegerin arbeiten. Ihrer Ansicht nach ist die Wertschätzung ihrer Leistung schon als Praktikantin hier bei den Teamkollegen und der Einrichtungsleitung viel höher, als es in Tschechien üblich wäre.


Internationale Projekte zur Fachkräftesicherung
Das Projekt der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit, bei dem das Pflegewerk inzwischen mit sieben tschechischen Fachhochschulen und Universitäten kooperiert, die eine Krankenpflegeausbildung anbieten, ist nicht ganz uneigennützig: "Um leistungsgerechte Personalbesetzung auch in Zukunft zu gewährleisten, müssen wir kreativ in alle Richtungen denken.", so Geschäftsführer Dr. Georgios Giannakopoulos. Die steigende Bevölkerungsgruppe "65 und älter" sowie die sinkende Zahl an möglichen Nachwuchskräften sind der Hauptgrund für dieses Umdenken, was gerade im Pflegebereich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das Projekt des Pflegewerk in Zusammenarbeit mit den tschechischen Pflegeschulen wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen und ist eine Strategie, um möglicherweise auch auf diesem Weg engagierte Pflegefachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen. Darüber hinaus fördert das Projekt die interkulturelle Kompetenz der Teilnehmer und trägt dazu bei, ein grenzüberschreitendes Netzwerk aufzubauen. "In den innereuropäischen Grenzregionen entwickelt sich hier ein gemeinsamer Dienstleistungs- und Arbeitsmarkt im Bereich Pflege. Dieses Projekt fördert die grenzüberschreitende Mobilität der heutigen Pflegeschüler und späteren Arbeitskräfte in diesem Sektor", so Dr. Giannakopoulos.

Ein Büro in Tschechien für optimale Kommunikation mit den FHs und Universitäten
Für die länderübergreifende Zusammenarbeit wurde eigens ein Büro in Prag eingerichtet, wo Pflegewerk Mitarbeiterin Magdalena Satavová tschechische Pflegekräfte berät und weitervermittelt, die sich für die Arbeit in der Pflege in Deutschland interessieren. Im bayrischen Osterhofen, konnte gerade ein neuer Altenpfleger aus Tschechien eingestellt werden, der zu Beginn 2016 in der stationären Pflegewerk Senioreneinrichtung seine Tätigkeit aufnimmt. "Da gibt es natürlich vorab einiges zu organisieren. Arbeitserlaubnis, Umzug, die Fachausdrücke in der Pflege auf Deutsch, bei all diesen Dingen helfen wir natürlich.", sagt Drahomira Sandner, Koordinatorin des Projekts und Einrichtungsleiterin des Pflegewerk Senioren Centrums in Berlin Moabit. Sie stammt selbst aus Tschechien, was die Betreuung der Gastpraktikanten erleichtert: "Einige unserer Praktikanten waren vorher noch nie im Ausland. Gute Betreuung ist da sehr wichtig." Darüber hinaus gibt es ein BVG-Ticket, gemeinsame Museumsbesuche und Stadtführungen für die Praktikanten.

Kulturschock nicht ausgeschlossen
Jakub Čurda, der eigentlich aus einem 400-Seelen-Dorf stammt, war von der Großstadt Berlin erst einmal "geschockt", ihm "wurde auf der Straße fast schwindelig, weil überall so viele Menschen herumlaufen", erzählt er. Inzwischen hat er sich gut eingelebt. Sein vierwöchiges Praktikum neigt sich dem Ende zu. Er möchte auch seinen nächstes Praxiseinsatz beim Pflegewerk absolvieren.

In den letzten drei Jahren haben Studenten aus Tschechien über 50 Fachpraktika beim
Pflegewerk absolviert. Das Projekt ist förderungswürdig durch das EU-Programm Erasmus+ "Durch Mobilität zur Erweiterung der Kompetenzen und zur Verbesserung der Qualität der Schülerberufspraxis".


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