Ernährung und pflegerische Besonderheiten

 

 

Umgang mit Tabletten

 

Die verordneten Präparate müssen vom Diabetiker absolut regelmäßig eingenommen werden, damit die Bauchspeicheldrüse zur angemessenen Insulinfreisetzung angeregt wird. Bitte beachten Sie, daß diese Menge nicht beliebig gesteigert werden kann. Versucht der Diabetiker, eine überhöhte Nahrungsmenge mit der Einnahme von "entsprechend" mehr Tabletten auszugleichen, ist sie ab einem gewissen Punkt überfordert, und es kommt zu starken Blutzuckerschwankungen.

 

Ernährung und Diät

 

Die Grundlage einer Diabetesbehandlung ist die Diät. Jeder Diabetiker benötigt eine seiner Stoffwechsellage angepaßte Diät, die mit dem Arzt und einer Diätassistentin zusammengestellt wird. Rat kann bei Krankenkassen eingeholt werden, einige Krankenhäuser bieten Ernährungsberatung und Diabetikerschulungen an.

 

Da fast dreißig Prozent der Diabetiker optimal damit behandelt werden, ist sie sehr wichtig. Grundsätzlich gilt für die Diät: sie soll energiegerecht sein, fettbegrenzt und reich an langsamen, nicht an schnellen Kohlenhydraten (die langsamen enthalten Ballaststoffe). Die vom Arzt und der Diätassistentin vorgegebene Kalorienzahl richtet sich nach dem Gewicht, der Konstitution und der individuellen Situation.

 

Als Richtlinie können folgende Werte gelten:

 

Bestimmung des täglichen Kalorienbedarfs in Abhängigkeit von der körperlichen Arbeit (kcal/kg Idealgewicht)

 

       

pro kg Körpergewicht

 

 

bei Bettruhe      

20-25 kcal (84-105 kJ)

bei leichter körperlicher Arbeit      

32 kcal (134 kJ)

bei mittelschwerer körperlicher Arbeit      

37 kcal (155 kJ)

bei schwerer körperlicher Arbeit      40 kcal (167 kJ)

 

Aufteilung der Grundnährstoffe in einer Diabetesdiät von 2000 kcal (8400 kJ)

 

      Eiweiß    Fett     

Kohlenhydrate

 

Kalorienanteil %     17    30     53
Kalorienmenge     340    600     1060
Nährstoffe in g     83    64     259

 

1g Eiweiß = 4,1 kcal (17,2 kJ), 1g Fett = 9,3 kcal (38,9 kJ), 1g Kohlenhydrat = 4,1 kcal (17,2 kJ)

 

Einige Diabetes-Gesellschaften haben verschiedenen Diätpläne erstellt, die auf Nachfrage bezogen werden können. Informationsbroschüren sind ebenfalls eine große Hilfe bei der Auswahl von Rezepten und ideal als Quelle von Ernährungsvorschlägen. Um die Speisen abwechslungsreicher gestalten zu können, stehen viele Kochbücher für Diabetiker zur Verfügung. In vielen Lebensmittelgeschäften und besonders Reformhäusern findet sich ein reiches Angebot diätetischer Lebensmittel. Auch hier gilt es allerdings auf Kaloriengehalt und Inhaltsstoffe zu achten. Es sind in der Tat nicht alle Diätprodukte sinnvoll. Diätbrot oder Diätreis müssen Vollkornbrot und ungeschälten Reis nicht ersetzen. 

Beachten Sie

 

Essen Sie anstelle von zwei bis drei großen Mahlzeiten mehrere kleine, sechs bis sieben über den Tag verteilt. Eine gleichmäßige Nahrungsaufnahme verhindert große Blutzuckerschwankungen.

 

Zu Beginn einer Diabetesdiät wird eine Waage benötigt, mit der bis auf zehn Gramm genau abgewogen werden kann. Mit der Zeit lernt man das Schätzen der Portionen, gelegentliche Kontrollen verhindern ein falsches Augenmaß. Die verordneten Kohlenhydrate sollten langsam aufschließbar seinDies ist etwa bei Körnerbrot, Kartoffeln, Gemüse oder Obst der Fall. Grundsätzlich verboten ist der Verzehr von schnellen Kohlenhydraten. Hierzu zählen freier Zucker und Lebensmittel, in denen schnelle Kohlenhydrate vorwiegen: Honig, Weintrauben, Bananen, Rosinen, Datteln, Feigen, Trockenfrüchte, Südweine, Konfitüren, Bonbons, Schokoladenerzeugnisse, Backwaren. Zuckeraustauschstoffe wie Fructose, Sorbit, Mannit und Xylit müssen in die BE-Berechnung mit einbezogen werden.

Ein reichlicher Genuß dieser Stoffe kann aber zu Magen Darmstörungen, wie etwa Durchfall führen. Als Süßstoffe sind Sacharin und Cydamat erlaubt und brauchen nicht angerechnet werden. Darunter fallen viele "Light"-Getränke, bei ihnen ist der Zucker durch Süßstoff ersetzt worden. Aber Vorsicht - der Begriff "light" ist unzuverlässig. In Light-Bieren ist der Alkohol und Kaloriegehalt reduziert, doch sind sie nicht kalorienfrei! Sie enthalten zwar keinen Alkohol, dafür aber sehr viel mehr Kohlenhydrate und sollten daher nur selten oder gar nicht genossen werden. Liköre, süße Schnäpse, Südweine, Sekt und Bier sind kohlenhydratreich und daher verboten. Kohlenhydratarme oder -freie Alhoholika wie Weinbrand, Whisky, Gin oder Rum sind erlaubt, müssen aber in die BE-Berechnung mit einbezogen werden. Alkohol enthält viele Kilokalorien (1 g Alkohol entspricht 7 Kilokalorien).

 

Bei der Auswahl der Nahrungsfette muß auf versteckte Fette in Wurst, Käse und dergleichen geachtet werden, es verbleibt daher nur etwa ein Drittel der erlaubten Fettmenge für Streichfett. Das Fett sollte reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sein; so etwa Sonnenblumenöl und -margarine oder Distelöl. Fettarme Fleisch-, Fisch- und Käsesorten und in geringen Mengen Milch und Eier stehen für die Eiweißzufuhr zu Verfügung. Gewürze, Kaffee und Tee können ohne Bedenken genossen werden. Als Zubereitungsarten sollten immer fett sparende Möglichkeiten genutzt werden. Panieren, Ausbacken in Fett, Braten, Frittieren, Andicken von Soßen oder Mehlschwitzen sind zu vermeiden!

 

BE - Was ist das

 

Als eine BE werden zwölf Gramm Kohlenhydrat im eßbaren Anteil eines Lebensmittels bezeichnet (Schalen und ähnliches nicht miteingerechnet). Obwohl auch "Broteinheit" genannt, hat Bezeichnung BE nichts mit Brot zu tun. 

 

Sie ist eine Berechnungseinheit, welche dem Diabetiker das komplizierte Wiegen und Umrechnen vor jedem Essen erspart. 

Beim Aufenthalt in anderen Ländern kann sie leicht mit den dort verwendeten Einheiten in Beziehung gesetzt werden. Wichtig ist, daß Sie immer auf die Kalorien achten. Ein Austausch der Broteinheiten im vorgegebenem Diätplan ist möglich. Dafür stehen Nahrungsmittel-Austauschtabellen, von Experten zusammengestellt, im Handel zur Verfügung. Etwa ein Fünftel der täglichen BE-Menge dürfen als Obst gegessen werden. 

 

Der Abbau von wenigen Kilogramm Übergewicht kann ausreichen, um die Blutzuckerlage bei Typ II Diabetikern zu normalisieren. Körperliche Betätigung und Sport steigern die Verbrennung und senken den Blutzuckerspiegel. Ein Zuviel an Sport belastet den Körper ebenso wie Bewegungsmangel. Gleichmäßige Betätigung mit langsamer Steigerung ist sinnvoll, bei langer Dauer sind Pausen für die Zwischenverpflegung einzulegen.

 

Besondere Pflegesituationen

 

  • Da Diabetiker auch an Abwehrschwäche und verzögerter Wundheilung leiden, muß auf eine besonders sorgfältige Körperpflege und Hygiene geachtet werden; besondere Sorgfalt bei der Fußpflege ist ebenfalls notwendig.
  • Hautreizende Seifen vermeiden und alle Hautfalten, einschließlich der Zehenzwischenräume, sorgfältig, aber vorsichtig trocknen; eine fetthaltige Creme anschließend schützt zusätzlich.
  • Selbst bei kleinsten Verletzungen können schwere Infektionen entstehen, daher Barfußgehen bitte vermeiden und die Haut nicht aufreiben.
  • Einengende Schuhe und Socken sowie drückende Wäsche dürfen nicht getragen werden, sie unterbrechen den Blutstrom.
  • Die Zehnägel werden am besten nur nach einem Fußbad gefeilt. Verletzungen bei der Maniküre und Pediküre sind unbedingt zu vermeiden. Verwenden Sie daher keine spitzen oder scharfen Gegenstände wie Nagelfeilen, sondern ein mit Watte umhülltes Streichholz oder einen Zahnstocher.
  • Die Fußpflegerin muß über den Diabetes informiert sein. Die Behandlung von Hühneraugen sollte nicht selbständig vorgenommen werden.
  • Wärmflaschen und Heizkissen bergen Hautverbrennungsgefahr, warme Wollkleidung und Wollsocken sollten bevorzugt werden.
  • Verletzungen, besonders an den Füßen sind dem Arzt zu zeigen. Der Umgang mit Diabetes erfordert viel Aufmerksamkeit von allen Beteiligten. Daher tut es allen gut, sich immer wieder etwas Gutes zu gönnen. Eine Mußestunde oder ein Spaziergang im Park sind Balsam für die Seele - es muß nicht immer etwas Süßes sein.