Beobachtung der Ausscheidungen

Körperausscheidungen sind Urin, Stuhl, Erbrochenes, Sputum und Schweiß. Viele Menschen kostet es natürlicherweise Überwindung, mit Ausscheidungen Anderer umzugehen. Für den Kranken ist es häufig sehr peinlich, wenn er bei den natürlichen Körperfunktionen oder beim Erbrechen Hilfestellung benötigt.


Zunächst ist Taktgefühl während dieser Situationen angezeigt. Zu starke Abneigungen müssen aber ernst genommen und die Pflege an andere Familienmitglieder oder professionelle Hilfe übertragen werden.

Die Beobachtung der Ausscheidungen nach Form, Farbe, Menge, Konsistenz sowie eventuellen Beimengungen und die Meldung an den Arzt bei Veränderungen können für die Diagnose sehr wichtig sein.

Das Erbrechen 

Dem Erbrechen geht der Brechreiz voraus, meist verbunden mit Übelkeit, vermehrtem Speichelfluß, verlangsamter Atmung und Würgen. Durch tiefes und langsames Durchatmen läßt sich der Brechreiz lindern. Während des Brechvorganges ziehen sich Speiseröhre-, Magen-, Bauch- und Zwerchfellmuskulatur zusammen, wodurch der Mageninhalt ausgestoßen wird. Ursachen des Erbrechens können sein vielfältige Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oder Überessen, Migräne, übermäßiger Alkoholkonsum, Emotionen wie Aufregung oder Ekel durch Geruch, Geschmack, Aussehen, Reizung des Rachenraumes, Reisekrankheit, zu Beginn einer Schwangerschaft. Erbrechende fühlen sich stark geschwächt bis hin zur physischen und auch psychischer Erschöpfung, außerdem kann durch den Flüssigkeitsverlust der Stoffwechsel und der Elektrolythaushalt gestört werden und entgleisen.

Nach folgenden Kriterien sollte beobachtet werden
 

  • Wann und wie oft erbricht der Kranke? Tageszeit; nüchtern, wenn nach dem Essen erbrochen wird, beobachten Sie den Zeitabstand zur Mahlzeit, ein- oder mehrmals?
  • Wie und wieviel erbricht der Kranke? Würgend, fließend, im Schwall, schlagartig? Die Menge wird geschätzt. 
  • Was erbricht der Kranke? Geruch und Beimengungen? Geruch: normal, säuerlich? Beimengungen: Galle, Blut, Speichel, Schleim, bei Darmverschluß kann es zum Erbrechen des Darminhaltes kommen (Koterbrechen) 

Notieren Sie die Beobachtungen und die Besonderheiten, unter Umständen können wichtige Zusammenhänge aus diesen Informationen gezogen werden.

Hilfeleistungen beim Erbrechen 

Der Erbrechende braucht oft Beistand und Zuwendung, helfen Sie ihm bei Bedarf beim Aufsetzen und halten Sie eine kleine Schüssel oder Nierenschale, ferner zum Abwischen Taschentücher bereit. Sinnvoll ist es, die Kleidung bzw. das Bett zu schützen, etwa mit einem Handtuch. Anschließend lassen Sie, gegen den schlechten Geschmack, den Mund ausspülen. Es eignen sich Tee oder Mundwasser. Hat der Kranke stark geschwitzt, empfindet er das Waschen des Gesichtes und der Hände als sehr angenehm. Eventuell ist auch ein Wäschewechsel angezeigt. Zum Schluß wird das Zimmer gelüftet.

Erbricht der Kranke häufiger, müssen eventuell nach Anordnung des Arztes Medikamente gegeben werden, und der Kranke benötigt genügend Flüssigkeit wie Mineralwasser ohne Kohlensäure oder Kamillentee. Dies kann unter Umständen nur mühsam per Teelöffel erfolgen.

Der Urin 

Urin wird in den Nieren gebildet und über die ableitenden Harnwege ausgeschieden. Die Urinbildung und Ausscheidung sind lebenswichtig, sie dient mehreren Zwecken
 

  • Die Ausscheidung der sogenannten harnpflichtigen Stoffe aus dem Blut. Es handelt sich um Stoffwechselprodukte, die der Körper nicht mehr verwenden kann oder die für ihn schädlich sind.
  • Die Regulierung des Flüssigkeits-, des Elektrolyt- und des Säure- und Blasenhaushaltes im Körper.

Wieviel Urin wir täglich ausscheiden, hängt ab vom Verhältnis der aufgenommenen Flüssigkeit (aus Getränken und in festen Speisen) und der durch Schwitzen, durch den Stuhl und die über die Atmung abgesonderten Menge. Innerhalb von 24 Stunden scheiden wir ca. 1500 ml Urin aus. Eine vermehrte Harnausscheidung über 3000 ml in 24 Stunden kann auftreten bei großen Trinkmengen, bei unbehandelten Zuckerkrankheiten, bei Einnahme von harntreibenden Medikamenten und von Herz- und Nierenerkrankungen.

Nachts können Wassereinlagerungen im Gewebe besser abgebaut werden, daher besteht bei Herzkranken nachts erhöhter Harndrang und die Toilette muß öfter aufgesucht werden. Eine verminderte Urinausscheidung unter 500 ml in 24 Stunden kann auftreten bei einer geringen Trinkmenge, bei Flüssigkeitsverlusten wie Erbrechen, Durchfall, starkes Schwitzen, Blutverlust, bei Schock sowie bei Herz- und Nierenerkrankungen. Wird in 24 Stunden weniger als 100 ml Urin ausgeschieden (= Anurie) z. B. bei schwerem Nierenversagen oder bei Schock, kann es zu einer Harnvergiftung, einer Urämie, kommen.Besteht Verdacht auf Abweichungen der ausgeschiedenen Urinmenge, sollte die Ein- und Ausfuhr schriftlich festgehalten werden.

 

Weitere Beobachtungskriterien

 

Je nach Konzentration des Urins ist seine Farbe hell bis dunkelgelb, er ist klar und ohne Beimengungen. 

 

  • Urinverfärbungen durch Nahrungsmittel sind möglich, rote Rüben färben ihn rot, ebenfalls können Medikamente zu Verfärbungen führen, daher bitte immer die Gebrauchsanweisungen lesen
  • Fleichwasserfarbener bis rotbrauner Urin entsteht durch Blutbeimengungen
  • Bierbrauner Urin mit gelbem Schüttelschaum tritt bei Leber-Galle-Erkrankungen auf
  • Weißliche Ausflockungen entstehen durch Eiterbeimengungen. Hier ist der Urin trübe und riecht übel

Frischer "gesunder" Urin riecht unauffällig, erst nach längerem Stehen riecht er nach Ammoniak. Ein obstartiger Azetongeruch kann bei Diabeteserkrankungen auftreten. Urin, der nicht normal erscheint, sollte aufgehoben und dem Arzt gezeigt werden.Der Vorgang des Wasserlassens kann gestört sein. Bei einer Blasenfüllung von 300 bis 500 ml kommt es zum Harndrang. Die Entleerung erfolgt drei- bis sechsmal am Tag. Ein zu häufiges Wasserlassen kann unter anderem bei Blasenentzündungen auftreten. Es werden nur kleine Mengen von 20 bis 50 ml Urin ausgeschieden.

Ein erschwertes Wasserlassen, oft mit Schmerzen verbunden, kann auftreten bei Schwächung des Blasenmuskels oder bei Abflußbehinderungen wie etwa einer vergrößerten Prostata, die die Harnröhre von außen zusammendrückt oder Blasensteine. Verbleibt in der Blase noch mehr als 20 ml Urin, wird von Restharn gesprochen. Dieser Urin kann einen Nährboden für Keime bilden und muß unter Umständen behandelt werden.

Das Unvermögen, Urin willkürlich zu halten oder die Entleerung selbst zu bestimmen, wird als Urininkontinenz bezeichnet. Sie zieht viele Konsequenzen nach sich, die Pflege bei Inkontinenz wird daher noch eingehender besprochen. Kann der Kranke kein Wasser lassen, liegt eine Harnverhaltung vor, sie bedarf einer sofortigen ärztlichen Behandlung.

 

Der Stuhl


Die von unserem Körper nicht verwerteten Nahrungsbestandteile werden vom Dünn- in den Dickdarm befördert. Darmbakterien sorgen für den Abbau. Dem Darminhalt wird Wasser entzogen. Dann wird er zum Mastdarm (Rektum), dem letzten Teil des Darmes befördert und ausgeschieden.

Die Beschaffenheit des Stuhles hängt ab von der Zusammensetzung der Nahrung (Ballaststoffe) und der verbleibenden Flüssigkeitsmenge. Normalerweise wird der Darm ein- bis zweimal täglich, spätestens alle zwei Tage entleert. Je länger der Stuhl im Darm verbleibt, desto fester wird er. Die Häufigkeit der Entleerung hängt ab von der Nahrungszusammensetzung, vom Maß der Bewegung (Bewegung hält auch den Darm in Bewegung), von der Menge der Nahrung, von der psychischen Verfassung (bei Aufregung kann es zu Durchfall kommen, bei Streß zur Verstopfung), aber auch von Gewohnheiten. 

Normaler Stuhl ist in der Beschaffenheit weich, aber gut geformt. Die Farbe des Stuhls wird durch die verzehrten Speisen, durch Medikamente oder Erkrankungen des Verdauungstraktes beeinflußt. Die normale Farbe entsteht überwiegend durch den Gallenfarbstoff und ist hell- bis dunkelbraun.

 

Farbveränderungen         

Ursachen

 

 

gelblich         Milchprodukte
grünlich         Spinat
rotbraun         rote Rüben
schwarz         kohle- und eisenhaltige Medikamente
lehmfarben         Fehlen von Gallenfarbstoffen
(grauweiß-) schwarz         

Blutungen aus dem Magen (Teerstuhl) Beimengungen im Stuhl können sein: Schleim, Blut, Eiter, Blutauslagerungen, Parasiten, Maden-, Spul-, Bandwürmer

  

Bei Auffälligkeiten sollte eine Stuhlprobe für den Arzt aufgehoben werden. Liegen Obstipation, Durchfall oder Stuhlinkontinenz vor, bedarf es einer besonderen Pflege.